Schminktipps

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Ein bisschen Make-up hat noch keinem geschadet, auch nicht einer alten Schachtel. Make-up your mind zum Beispiel! Das ist eine wunderbare, der Haut schmeichelnde Grundierung, die auch den männlichen alten Schachteln extrem gut zu Gesicht steht – immer vorausgesetzt, und das gilt jetzt selbstverständlich für sämtliche Geschlechter, dass sie sich zu etwas aufraffen, was für sie selbst, den Rest der Welt und das Klima förderlich ist. 

Mein heißer Tipp dazu: 

Schminken Sie sich die Kreuzfahrt ab. Das sieht verdammt gut aus und lässt Sie gleich um Jahre jünger wirken! Unter kosmetischen Gesichtspunkten empfiehlt sich auch der Verzicht auf Fernreisen. Langstreckenflüge trocknen die Haut ungeheuer aus – das weiß jede Frauenzeitschrift. Und die wissen auch, dass man das in unserem Alter unbedingt vermeiden sollte, denn es beeinflusst sehr ungünstig die Faltenbildung. Ebenso wie die starke Sonneneinstrahlung und heiße Luft, die meistens in den Zielen der Langstreckenflüge vorherrscht. Ob man sich dem freiwillig aussetzen sollte, das will gut überlegt sein! Da wir alten Schachteln, ob wir das wollten oder nicht, das Erbe unserer Kinder und Enkelkinder verschleudert haben, könnten wir wenigstens auf unsere alten Tage mal gut überlegen und etwas besonnener werden. 

Besonnenheit in allen Lebenslagen hat noch keinem geschadet

Also, make up your mind, Jungs und hört endlich auf das, was eure Ehefrauen euch seit Jahren predigen. Ganz egal, was es ist, macht es einfach, es tut euch ganz sicher gut! Trinkt auch den Smoothie, den sie euch hinstellt, mit Grazie, selbst wenn Sellerie drin ist. Denn Ehefrauen, wenn sie nicht gerade Lucrezia Borgia oder Maria Stuart heißen – betrübliche Ausnahmefälle, die wir in diesem Zusammenhang vernachlässigen können – Ehefrauen, sage ich, sind, wissenschaftlich erwiesen, die reinste Medizin: Ehemänner leben länger. Die Zeiten billiger Witze über nervige Ehefrauen sind längst Vergangenheit und olle Macho-Sprüche können sich auch olle Männer abschminken.

Ab einem gewissen Alter schminkt man sich, egal, ob Männlein, Weiblein oder irgendwas dazwischen, sowieso einiges ab. Und das kann man eigentlich gar nicht gründlich genug machen. Mit achtzehn wusste man so genau, wie die Welt funktioniert, was alles falsch läuft und wie es besser zu machen ist. Diese absoluten Gewissheiten hat man sich längst abgeschminkt und greift dankbar auf das gute alte „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ zurück.

Das gilt aber offenbar häufig nicht für die Einschätzung der eigenen Person. Die verfestigt sich sogar gern mit zunehmendem Alter. Zum Beispiel wissen viele Leute erstaunlich genau, dass sie ein viel besserer Autofahrer als der Durchschnitt sind, dass sie sich viel umweltbewusster verhalten als der Rest ihrer Mitbürger und überhaupt ein viel netterer Mensch sind, als die Typen, die Ansichten vertreten, die den ihren entgegengesetzt sind. An der University of Oregon haben die beiden Psychologinnen Kathryn Denning und  Sara Hodges mit mehr als tausend Teilnehmern eine Studie durchgeführt, die aufdeckt, dass Menschen, je stärker sie sich mit einer moralischen Einstellung oder einem politischen Lager identifizieren, umso ausgeprägter dazu neigen, die Gegenseite zu verteufeln. Man beurteilt andere offenbar gern nach dem Motto: „Wenn der tatsächlich dies und jenes so sieht und vertritt, dann hasst er auch Kinder und Kleintiere und macht Trampelpfade auf die schöne Wiese!“ Der zugrundeliegende Mechanismus scheint eine Art Gegenprojektion zu sein: Man unterstellt einer Person der politischen Gegenseite das negative Spiegelbild seiner selbst. Wobei ich es besonders pikant finde, dass das positive Bild, das man von sich selbst hat, ja auch selten mit der Realität allzuviel zu tun hat – siehe oben. 

Und was lernen wir jetzt daraus? 

Vielleicht: Make-up your mind zu ein bisschen mehr Offenheit? Oje, schwierig, schwierig…

Dass ich ein guter Autofahrer wäre, habe ich mir schon längst abgeschminkt, aber dass AfD-Parteimitglieder ganz bestimmt junge Hunde quälen, von dieser Überzeugung wird mich niemand abbringen! Da können sie Studien machen, solange sie wollen. Das schminke ich mir nicht ab! Okay, ich weiß, der gänzliche Mangel an Humor der eigenen Meinung gegenüber wirkt spießig, aber was willste machen, ich liebe nun mal junge Hunde. Da ist es gar nicht so einfach, nicht die Menschen zu verteufeln, sondern sich darauf zu beschränken, ihre politischen Einstellungen abzulehnen. Ich gelobe hiermit, an diesem Make-up-Tipp selbst noch ein bisschen zu arbeiten!

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