Noch was über Bücher… und Männer… und Frauen…

Noch was über Bücher… und Männer… und Frauen…

Noch was über Bücher… und Männer… und Frauen… 846 605 Alte Schachteln

Einiges von dem, was ich gemeinsam mit Ulrich geschrieben habe, findet sich in der Rubrik „Ratgeberliteratur“. Und nachdem ich im letzten Beitrag den perfekten Er-ziehungsratgeber vorgestellt hatte, fiel mir ein, dass ich doch noch mehr Unschätzbares zu bieten habe – nämlich den ultimativen Be-ziehungsratgeber. Man hat mich im Verlauf der vergangenen Jahre auch in der Tat gelegentlich zu einem solchen Werk aufgefordert. Seit über fünfzig Jahren ein Paar – das scheint für eine gewisse Kompetenz in der Angelegenheit zu sprechen. Ich habe dann immer geantwortet, dass in meinen Augen jeder selber sehen muss, wie er sich durchwurschtelt, und dass es im Großen und Ganzen eine Frage des Glücks ist. Aber es gibt natürlich etwas, das ich für unerlässlich halte. 

Ich enthülle hiermit also feierlich das Geheimnis unseres Erfolges. Man braucht für eine gelingende Partnerschaft zwei Dinge: Keine Erwartungen und viel Sinn für Humor.

Ich gebe zu, dass das für einen Bestseller jetzt ein bisschen dünn ist. Aber was soll ich sagen, das ist nun mal die Quintessenz dessen, was meine jahrelange Forschertätigkeit zu Tage gefördert hat.

 Also fast, jedenfalls – da ist noch diese winzig-kleine Kleinigkeit. 

Nun, wie sag ich’s meinem Kinde? Vielleicht notiere ich einfach das Gespräch dreier ganz unterschiedlicher Freundinnen in den späten Dreißigern, welches ich, rein zufällig versteht sich, mal im Café belauschte:

A: „Wieso habt ihr euch eigentlich getrennt, du und dein Mann?

B: „Ich habe von ihm erwartet, dass er sich an allem beteiligt, was zum Kinderkriegen gehört, nicht nur an der Zeugung. Dazu war er aber nicht bereit oder nicht fähig oder beides, was weiß ich“.

C: „Alle Männer sind Schweine!“

A: „Manchmal sind sie aber auch arme Schweine. Man kann doch nicht alles an sie abladen, Geld verdienen und Haushalt und sich um die Kinder kümmern und was weiß ich noch alles. Ich finde, wenn man sich als Frau entschließt, Kinder zu kriegen, sollte man das nur tun, wenn man im Prinzip dazu bereit ist, auch ganz allein die volle Verantwortung für sie zu übernehmen. Man sollte bereit sein, ihnen das ganze eigene Leben zu widmen. Wenn man das nicht will, braucht man auch keine Kinder in die Welt zu setzen.“ 

C: „Steile These, muss ich schon sagen.“

B: „Naja, ich habe sie gewollt und gekriegt, weil ich dachte, das Glück der Fortpflanzung ist die Fortpflanzung des Glücks und so. Aber so ist es nicht gekommen und ich wollte doch auch nicht alles alleine machen. Ich meine, wozu sind Väter denn da? Und hängen sie nicht auch an ihren Kindern? Aber er… ich weiß auch nicht – wir waren uns einig, dass wir Kinder wollten, also, ich habe nicht heimlich die Pille abgesetzt oder so, aber es hat ein bisschen gedauert, bis es geklappt hat, und als ich dann endlich schwanger war, habe ich mich so wahnsinnig gefreut und ich bin vom  Frauenarzt nach Hause gerannt und seine erste Reaktion, als ich es ihm gesagt habe, war „Na, dann sieh mal zu, wie du dein Kind groß kriegst“. Das hätte mir schon zu denken geben müssen.“

C: „Stattdessen hast du noch ein Kind gekriegt. Hormonell bedingter Verlust des klaren Urteilsvermögens?“

B: „Du brauchst dich gar nicht aufzuplustern. Ohne Kinder kannst du doch gar nicht mitreden! Ich dachte eben, das wird schon noch werden. Und ich streite gar nicht ab, dass er die Kinder gernhat, aber er war nicht bereit, sich die Arbeit mit ihnen wirklich zu teilen, seine Arbeit ging immer vor. Dass ich auch eine Arbeit habe, die mir wichtig ist, hat ihn überhaupt nicht interessiert. Ach, und dauernd gab es Streit, ums Aufräumen, ums Putzen, ums Einkaufen, um freie Abende, um alles.“

A: „Um Sex.“

B: „Ja, darum auch.“

C: „Wieso denn um Sex?“

A: „Ich habe da so meine Theorie.“

B und C: „Was denn für eine Theorie?“

A: „Laut meiner Theorie ist das Geheimnis einer guten Ehe, dass du als Frau niemals Nein sagst.“

C: „Wie, niemals nein sagst?“

A: „Du sagst niemals nein, wenn er mit dir schlafen will.“

C: „Interessante Theorie…“

B: „Sag mal spinnst du? Das ist doch mittelalterlich, das ist doch… das ist doch geradezu pervers.“

A: „Ich könnte jede Wette eingehen, dass dein Mann noch zu Hause wäre, wenn du nicht so einen Zinnober um das bisschen Sex gemacht hättest. Du schläfst einfach mit ihm, dann ist er zufrieden, geht nicht fremd und ist nicht streitlustig. Fertig!“

C: „So bist du also zu den vier Kindern gekommen!“

B: „Also weißt du, das geht mir jetzt doch alles irgendwie zu weit. Du machst die ganze Hausarbeit, du kümmerst dich um die Kinder, du hältst ihn aus allem raus, was deinem Pascha keinen Spaß macht und dann bist du auch noch die Sexsklavin?“

A: „Ich bin NICHT die Sexsklavin, jetzt übertreibe doch nicht gleich. Ich habe nur ziemlich am Anfang meiner Ehe beschlossen, dass ich das Thema Sex nicht zum Anlass für irgendwelche Szenen und Diskussionen oder sonst was machen will. Dieses Gekrampfe mit Kerzenschein und Romantik! Ich schlafe mit ihm und damit basta.“

C: „Ganz egal, ob du gerade Lust hast?“

A: „Ja.“

B: „Aber das ist doch beschissen.“

A: „Nö! Ich hätte es beschissen gefunden, mit kleinen Kindern allein dazustehen. Ich weiß nicht, ob ich das gepackt hätte. Und außerdem habe ich meinen Mann wirklich gern! Ich sag doch nicht, dass man mit jedem Ekel zusammenbleiben soll. Aber wenn man zusammenbleiben will, muss man auch was dafür tun. Mein Mann ist lieb, er ist verantwortungsbewusst, er liebt mich und die Kinder – da brauche ich doch nicht jedes Mal ein großes Trara machen, ob ich Lust habe oder nicht.“

C: „Also du meinst allen Ernstes, das ganze Geheimnis einer glücklichen Ehe besteht darin, niemals nein zu sagen?“

A: „Weiß nicht, ob es das ganze Geheimnis ist, aber das halbe bestimmt.“

 

Und was lernen wir daraus? Lassen Sie sich niemals von mir bei einem intimen Gespräch belauschen – ich mache es gnadenlos öffentlich!

Bild von Nika Akin auf Pixabay
2 Kommentare
  • Ich wünsche mir dass Ihr Beitrag von vielen Frauen gelesen wird!

  • Liebe Andrea, vielen Dank für diesen netten Kommentar! Ja, das wünsche ich mir auch, kann ich dazu nur sagen. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, dem Sie den Blog noch weiterempfehlen möchten, das würde mich natürlich sehr freuen.