Ceterum censeo

Ceterum censeo

Ceterum censeo 846 605

Warum? Das stand als Überschrift über meinem letzten Beitrag – da befand ich mich noch im seligen Zustand der Unwissenheit, was die nächsten Tage bringen würden. Das „Warum“ ist seither noch viel größer, viel trauriger auch, geworden. Ist es tatsächlich womöglich unmöglich, einen Verbrecher zu stoppen, wenn er entschlossen ist, über Millionen von Leichen zu gehen und ganze Länder zu zerstören? Kein anständiger Mensch auf der Welt kann das fassen, es ist so ungeheuerlich, dass einem die Worte fehlen. Ich weiß, dass Verzweifeln angesichts einer aussichtslos scheinenden Lage die schlechteste Lösung ist, aber man ist in diesen Zeiten doch gedanklich verdammt nahe dran.

Was soll ich auch machen?

Als alte Schachtel in die Ukraine aufzubrechen, um mich mit der Macht meiner gutgemeinten Ermahnungen Soldaten in Panzern entgegenzustellen und ihnen zu bedenken geben, was ihre Großmütter wohl über ihr Verhalten sagen würden, scheint keine besonders vielversprechende Idee zu sein. Da müssten sich schon alle alten Schachteln mindestens aus ganz Europa auf den Weg machen – aber das gäbe vermutlich logistische Probleme ohne Ende, wenn wir so einen Kreuzzug Rollatoren gegen Diktatoren starten würden. Ob den Ukrainern damit wirklich geholfen wäre?

Was tun?

(Ob Lenin das Schwein Putin als Bruder im Geiste mit dem berüchtigten Bruderkuss in der Hölle empfangen wird, oder ob er ihm doch verachtungsvoll den Rücken zuwenden wird? Wir werden es nie erfahren. Ist auch wurscht, Hauptsache, er landet in der Hölle, am besten schon vor seinem Tod.) Die Frage bleibt, was tun? Die Flüchtlinge so gut es geht mit einer Spende zu unterstützen ist gebongt, ändert aber nichts an den Verbrechen der fetten Herren aus dem Kreml, vermag sie auch nicht aufzuhalten. Nicht nur der unsägliche Putin ist schuldig, in genau der gleichen Weise schuldig ist jeder General, jeder Befehlshaber, jeder Minister und jeder Funktionär, der in diesem kriminellen Verein mitmacht. Ich hoffe, diese ganze Bagage findet keinen Schlaf mehr und leidet an schmerzhaften Blähungen. So viel Bösartigkeit muss sich doch irgendwie auswirken!

Erinnern Sie sich noch an den guten alten Cato, der um 150 vor Christus rum der Ansicht war, dass Karthago zerstört werden sollte, weshalb er jede Rede, egal worum es sich handelte, mit dem entsprechenden Satz beendete? Ich bin schwer geneigt, das für mich auch einzuführen: Ceterum censeo Putinem esse delendam! Nicht nur alles, was ich schreibe, soll damit beendet werden, es wäre doch schön, wenn unter allem, was man in der Zeitung liest, einfach nur „ceterum censeo“ stünde und jeder wüsste Bescheid. Jeder Politiker sollte seine Rede mit einem „ceterum censeo“ beenden. „Ceterum censeo“ sollte unser neuer Abschiedsgruß werden, solange, bis der Genosse, bei dem es im Oberstübchen nicht mehr ganz richtig tickt, vor Gericht steht, und genau das meine ich mit „delendam“ – nicht, was Sie vielleicht denken. Denn so gern ich ihn quasi mit eigenen Händen erwürgen würde, mein eigentlicher Wunsch ist es selbstverständlich nicht, dass er hinterrücks gemeuchelt wird (auch wenn der Gedanke einen gewissen Charme besitzt), sondern dass er als verurteilter Kriegsverbrecher den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringt. Am besten im gemütlichen Sibirien, bei halben Rationen und doppelter Arbeit. Wenn man die eingesperrten Regime-Gegner frei lässt, gibt es ja mehr als genug Platz für ihn und alle seine willfährigen Kumpane.

Was bleibt uns zu tun?

Im Moment fällt mir nichts ein, als die nicht konstruktiven Gedanken der Hilflosigkeit möglichst hintanzuhalten – aber vielleicht hat ja jemand von Ihnen noch eine zündende Idee? Jeder Vorschlag wird dankbar entgegengenommen! In diesem Sinne: ceterum censeo…

Bild von atranias auf Pixabay
2 Kommentare
  • Lou Reed, Street Hassle, 1978 März 14, 2022 um 10:13 am

    I share the feeling of helplessness. I have ordered a Ukrainian flag to hang out the window on the Markstätte. But then the complex war and refugee response duplicity between what is happening in the Ukraine and the circa 400T people who have died in Syrian (Aleppo, chemical weapons, AfD) made me realize that I also need a Syrian flag. But then the question, which flag? The flag of Assad’s Syria, the oppositional liberation Army, which seems to be against the curds; or the Kurish liberation army. Latest idea is to get the regular flag but paint one of the two stars white to signify that a resolution can not be a return to how things were.

    And during a coffee break I came up with the following symbol as a potentially subversive alternative to Putin’s double speak Z:

    https://next-level.academy/wp-content/uploads/2022/03/Z-is-War.png

  • Mit Rollatoren gegen Diktatoren – das ist ja wohl mal wieder genial! Liebste Grüße – Luitgard

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.